Donnerstag, 26. Oktober 2017

Warum Autoren nicht honorarfrei aus ihren Büchern lesen ... sollten:

Warum Autoren nicht honorarfrei aus ihren Büchern lesen ... sollten:
 


Gedanken und Argumentationshilfen: 
 
-  Ich bin noch nicht bekannt und will mir erst einen Namen machen.
Kommentar:
Bis du dir einen Namen gemacht hast, hast du (sofern du neben dem Schreiben keinen Hauptberuf ausübst) wegen Mietschulden kein Dach mehr über dem Kopf oder hast Schulden bei deiner Krankenkasse gemacht. Was ist mit Fahrt- und Übernachtungskosten? Du zahlst am Ende drauf. 


- Wenn ich das Angebot nicht annehme, macht es jemand anderes
Kommentar:
Das mag vielleicht sein, aber möchtest du, dass man deine Fähigkeiten und deine Arbeit so gering schätzt, dass man dafür gar nichts zahlen möchte? Wenn außerdem immer ein kostenfreier Ersatz bereit steht, wird sich nie etwas ändern und Veranstalter werden nie bereit sein, uns fair zu bezahlen.


- Es ist Werbung für mich, dann kommen bestimmt Folgeaufträge
Kommentar:
In erster Linie machst du Werbung für den Veranstalter, der sich freut, dass er mit deiner Hilfe seine eigenen Produkte vermarkten und sein Renommee steigern kann. Beim nächsten Mal wird er dich darauf festnageln, dass du bisher kostenlos gelesen hast.


- Ich verdiene an den Buchverkäufen
Kommentar:
Rechne bitte aus, was du laut Verlagsvertrag pro Buch ausgezahlt bekommst. Wie viele Bücher müsstest du verkaufen, um z.B. den Mindeststundenlohn zu erhalten? Rechne nicht damit, dass jeder Teilnehmer ein Buch kauft. Betrachte die Veranstaltung als eine eigenständige Leistung, die unabhängig von den Buchverkäufen ist.


- Ich bin gerne unter Menschen und mag es, für meine Leser etwas anzubieten
Kommentar.

Prima, aber nur weil du es gerne machst, musst du es nicht umsonst anbieten. Bedenke, dass du es anderen Autoren unsagbar schwer machst, die vom Schreiben leben müssen. 

- Der Veranstalter hat kein Budget für eine Lesung
Kommentar:
Und warum bucht er dann eine Leistung, die er nicht bezahlen kann? Wenn dir etwas an dem Veranstalter liegt, dann überlegt gemeinsam eine Lösung. Z.B. kann er Eintritt verlangen, der es ermöglicht, dir ein Honorar zu bezahlen. Bedenke dabei, dass du die Einnahmen versteuern musst.

Und zum Schluss einige Bemerkungen:
Bist du dir vielleicht gar nicht bewusst, was deine Arbeit wert ist? 

Wie viele Stunden hast du an deinem Buch geschrieben? 
Wie viel Zeit steckst du in die Vorbereitung der Lesung? Hast du vielleicht sogar ein Stimmtraining absolviert? Backst du, stellst du spezielle Kleinigkeiten als Geschenke für deine Zuhörer her oder schneiderst Kostüme oder lässt Werbematerialien anfertigen? 

Du lieferst eine professionelle Arbeit ab - sie ist es wert, honoriert zu werden.

(c) Karin Joachim




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